Die Orgel ist ein Blasinstrument, bei dem Pfeifen mittels Wind zum Erklingen gebracht werden. Die Pfeifen sind in Reihen angeordnet. Jede Pfeifenreihe bildet ein sogenanntes Register.

Die wichtigsten Teile einer Orgel sind...

    ...die Windversorgung mit Gebläse und Balg
    ...die Windladen, auf dem die Pfeifen stehen (das Herzstück jeder Orgel)
    ...die Traktur (Verbindung vom Spieltisch zum Orgelinnern).
    ...der Spieltisch (Verbindung vom Spieltisch zum Orgelinnern).
    ...das Pfeifenwerk
Orgeln stehen hauptsächlich in Kirchen; deshalb gehören Orgel und Kirchenmusik seit jeher untrennbar zusammen.

Die Windversorgung

Der Windraum im Estrich
Waren früher die Organisten auf Gedeih und Verderb den Kalkanten ausgeliefert, sorgt heute ein geräuscharmer Ventilator für Wind. Der Ventilator - oft steht er im Estrich der Kirche - saugt den Wind aus dem Kirchenschiff ab und füllt damit den Balg. Der Balg sieht im Prinzip ähnlich aus wie der Balg eines Akkordeons. Er ist mit starken Gewichten beschwert, so dass die darin enthaltene Luft immer unter Druck steht. Der Balgt sorgt dafür, dass die Orgel - unabhängig von der Anzahl der gerade klingenden Pfeifen - immer genügend Wind mit stabilem Winddruck erhält.

Balg bei ausgeschalteter Orgel
Balg bei eingeschalteter Orgel
Ventilator / Gebläse
Treter für den Kalkanten
Windkanäle unter dem Balg
Vom Balg führen ein oder mehrere Windkanäle hinab zur Orgel. Der Wind wird manchmal (bei grossen Orgeln) in weiteren Bälgen stabilisiert und strömt schliesslich zu den Windladen und in die Pfeifen.Ältere Orgeln haben gelegentlich Schwimmerböden unter den Windladen; so kann der Winddruck ein drittes Mal stabilisiert werden.

Die Windlade

Die Windladen sind der zentrale Teil jeder Orgel. Auf den Laden stehen die Pfeifen, und in den Laden wird dafür gesorgt, dass der Orgelwind in die "richtigen" Pfeifen gelangt und sie somit zum Klingen bringt.

Die Schleiflade

Es gab und gibt mehrere Typen von Windladen. Wir betrachten hier nur die Schleiflade. Diese hat zwei verschiedene Arten von Windventilen, nämlich...
    ...Tonventile
    ...Registerventile

Die Tonventile sind mit den Tasten des Spieltisches verbunden. Wenn ich also auf dem Orgelbänklein hocke und irgendeine Taste drücke, geht im Innern der Orgel irgendein Tonventil auf.

Die Registerventile sind mit den Registerzügen oder -wippen des Spieltisches verbunden.

Die Klaviaturen

Eine "normalgrosse" Kirchenorgel (im folgenden "Dorforgel" genannt) hat drei Klaviaturen: Zwei Manuale und ein Pedal. Auf den Manualen spiele ich mit den Händen, auf dem Pedal mit den Füssen.

Das Manual hat einen Umfang von 4 1/2 Oktaven; es beginnt unten beim "grossen C" und endet oben beim "dreigestrichenen kleinen g". Das Pedal hat 2 21/2 Oktaven Umfang; es beginnt unten ebenfalls beim "grossen C" und endet oben beim "eingestrichenen kleinen f". Das Manual hat also 56 Tasten, das Pedal 30 Tasten.

Die Werke

Die Orgel besteht - analog zur Anzahl ihrer Klaviaturen - aus einzelnen Teilorgelwerken, als da sind...

    ...das Hauptwerk
    ...ein oder mehrere Nebenwerke (Positiv, Schwellwerk, Brustwerk, Rückpositiv, Fernwerk)
    ...das Pedalwerk

Jedes "Werk" steht auf seiner eigenen Lade und hat soviele Tonventile wie Tasten. Die "Normalorgel" hat somit 142 Tonventile, verteilt auf drei Windladen.

Die Orgel in der Stadtkirche Thun hat 3 Manuale und das Pedal.
Die Pfeifen sind in zwei Gehäusen untergebracht, nämlich im Hauptgehäuse und in der "kleinen Orgel" zuvorderst auf der Empore.
Die Pfeifen sind folgendermassen angeordnet:
    ...Das Schwellwerk befindet sich in der Mitte des Hauptgehäuses.
    ...Das Hauptwerk befindet links vorne und rechts vorne im Hauptgehäuse.
    ...Das Pedalwerk befindet sich links hinten und rechts hinten im Hauptgehäuse.
    ...Das Rückpositiv befindet sich in der "kleinen "Orgel", d.h. hinter dem Rücken des Organisten.

Fortsetzung folgt...